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   6.09.14 21:06
    Ich liebe die Art wie du






추석 und andere Eigenheiten

추석 (Chuseok, aber das kann ja wahrscheinlich sowieso jeder so lesen) ist ein nationaler Feiertag (oder eher mehrere ..) in Korea. Übersetzt bedeutet das, dass wir nach 4 anstrengenden Tagen Vorelsung erst einmal 6 Tage frei haben um uns zu erholen. Klaro, vorallem meine eine Vorlesung (Intelligent Robotic Design & Programming), in der wir mit Lego Mindstorms arbeiten und in der unsere erste Hausaufgabe: "Roboter aufbauen!" war, ist natürlich unglaublich anstrengend (Spaß ist auch anstrengend!).

 Auf jeden Fall war dann unsere Synthese: Urlaub! Und was macht man da? Klaro, Touri! (allerdings war das auch nicht bei allen Teilnehmenden fest verankert ...). Wir waren also 17 Leute und da ich ungern lästere sage ich nur einmal: Einmal und nie wieder, vorallem nicht mit so einer bunt gemischten Gruppe. Manche (wie ich) wollten Seoul anschauen, manche wollten bloß feiern und manche wollten beides (und waren entsprechend dauerkaputt). Deswegen ist es klar dass die nächsten Fahrten in weit überschaubarern und besser koordinierten/zusammengesuchten Leuten bestehen werden.

Genug der Lästerei, und auf nach Seoul. Gleich nach der Ankunft war die Aussage erst einmal: Wow, wer hätte gedacht dass es in Korea noch schwüler werden kann. Zwar ist in Seoul sehr viel klimatisiert, allerdings hilft einem das überhaupt nichts wenn man unter der prallen Sonne läuft. Vorallem nicht, wenn man erst einmal an dem Hostel vorbeiläuft (der Eingang war nicht direkt an der Straße sondern eine winzige Treppe ein ganzes Stück nach oben, und das wusste natürlich niemand) und schon mal eine 30-min Extrarunde durch das Viertel dreht. Tatsächlich waren die Hemden/T-Shirts sehr schnell mehrfarbig (hell und dunkel ...), und nach dem ankommen war es tatsächlich sehr angenehm eine Dusche und frische Sachen zu haben (auch wenn die Dusche irgendwie nicht vom Rest des Bades getrennt war und ständig alles unter Wasser stand. Ein hoch auf Architketen!). Dieser Abend war dann Touri-mäßig ziemlich unterbesetzt (da gibt es irgendwo in den Tiefen der deutschen Sprache ein passenderes Wort, dass mir nicht einfällt!) und es wurde eher die andere Teilgruppe bedient - kleiner Einschub: Clubs in Korea sind nicht anders als hier, sprich ich finde es unglaublich laut, schlechte Musik und voll ... allerdings war ich dafür wohl nie der beste Ansprechpartner.

Wir haben an diesem Nachmittag auf einem unglaublich unübersichtlich Markt gegessen, und uns auf dem Markt verlaufen. Zusammen mit der Fahrt und abends sich in einem Viertel umschauen, in dem vorallem Ausländer (stimmt nicht, aber es waren überdurchschnittlich viele - was eigentlich immer noch wenig ist) umherziehen, war der Tag.

Als einer der Wenigen (1 von 2 um genau zu sein) die es am Abend davor nicht übertrieben haben, ging es dann am nächsten Tag zum Sight-Seeing. Auch wenn ich die exakte Reihenfolge der besuchten Sehenswürdigkeiten bereits vergessen habe, versuche ich mein Bestes in dieser Hinsicht. Es fing an mit einem netten, alten und asiatischen Schrein, bei dem zufälligerweise gerade an diesem Tag eine uralte Krönungszeremonie nachgespielt wurde.

Mir wurde es zwar mittendrin zu langweilig, da die Aufführung auf einem riesigen und nciht betretbaren Platz stattgefunden hat, und man selbst am anderen Ende stand  (falls sich hier jemand über die Nahauffnahme wunert: dieses Bild wurde nicht von mir, sondern von einer Person mit weitaus besserem Zoom aufgenommen), und ich habe dann einfach einen Spaziergang in der Grünanlage gemacht. Dazu muss ich ja sagen, dass ich inzwischen merke, dass ständig etwas um mich herum passiert. Zimmernachbar, größere Gruppe, Weggehen, oder einfach Zusammenhocken - man ist nie allein. In dieser Hinsicht kam mir die ziemlich große und zur Zeit der Zeremonie entsprechend leere (wobei ich nicht weiß wie das sonst aussieht) Grünanlage sehr gelegen um endlich mal etwas Zeit für mich alleine (und netten Eichhörnchen, Vögeln und Zykaden - die sich übrigens überall in unglaublicher Lautstärke befinden) zu haben.

 

Nach einer Wiedervereinigung ging es dann weiter Richtung Innenstadt. Es ging durch einen netten Markt (der mein Essensbild von Korea gründlich durchgeschüttelt hat ... sprich da werde ich irgendwann mit noch mehr Erfahrung nochmal etwas schreiben) zu einem recht großen Platz mit zwei (anscheinend) bekannten Statuen. Dort ist lustigerweise jeden Samstag eine Demonstration (ja, wir waren an einem Samstag unterwegs) gegen die Vertuschung des Fährenunglücks "Sewol" (für alle Unwissenden aber Interressierten, einfach nach "Sewol Südkorea" suchen und man findet etwas) und wir, als Verantwortungsbewusste Austauschsstudenten haben natürlich sofort gegen die Vertuschung unterschrieben und uns ein gelbes Zeichen angeheftet, das unsere Unterstützung symbolisiert.

Dort in der Nähe begann dann unser eigentliches Ziel für diesen frühen Abend, eine Art Ruheort mitten in der Stadt. Seoul ist eigentlich sehr groß (es leben etwa die Hälfte aller Koreaner hier - allerdings werden dabei Arbeitende und Studenten mitgezählt, die übers Wochenende oft nach Hause fahren) und entsprechend laut und geschäftigt (dazu komme ich auch nochmal). Allerdings gibt es einen etwas tiefergelegten Fluss, der erstaunlich ruhig ist und an den man sich einfach setzen udn seine Füße kühlen kann (die auch erstaunlich schnell wieder trocknen). Das war nach einem ganzen Tag herumlaufen unglaublich angenehm.

 

Der nächste Tag wurde vorallem durch eine unglaublich lange Tour durch einen Palast (der dem Schrein insgesamt sehr ähnlich sah) eingenommen, da wir auf eine Führung durch den "Secret Garden" oder "Royal Garden" warten mussten. Der Palast war eigentlich ganz nett, allerdings eben nicht so viel Neues. Dafür mussten ein fotobegeisterter Freund und ich dauernd darauf warten, dass neimand im Bild steht ... (dazu muss man sagen dass ich erstaunlich gerne, sehr schlecht und unglaublich perfektionistisch fotografiere, was sich teilweise echt sehr ungünstig ergänzt). Dafür kamen dann nette Bilder wie folgendes heraus.

 

Allerdings hat es nur etwa 15-20 min gedauert bis wir einmal die Möglichkeit hatten, den Palastteil ohne 20 Asiaten davor zu fotografieren (gute Nachricht - wir hatten mehr als genug Zeit da die nächstfreie Führung so spät war, das wir großzügig Zeit zum fotografieren hatten). Die Fürhung an sich war für uns sehr unspäktakulär, da wir immer hinter etwa 100 Mann (und Frauen ...) starken Gruppe hinterher liefen um wiederum Fotos zu machen. Wir waren uns vollkommen einig, dass der Garten sehr schön war, allerdings mit 100 Leuten (von denen eigentlich quasi IMMER jemand im Bild stand) total überfüllt und damit in einer Führung eigentlich nicht beggehbar ist. Das Dumme: man darf nur mit Führung in den Garten (tatsächlich hat die führende Frau auch etwa dazu erzählt, da wir aber immer sonstwo waren haben wir sehr wenig davon mitbekommen). Am Schlimmsten waren die Personen, die entweder mit Selfie Stick oder auf sonstwelche Arten Bilder mit Menschen (sprich sich oder irgendwem) gemacht haben, und die deshalb nicht einmal das kleinste bisschen Feinfühligkeit hatten, wann man eventuell aus einem Bild herausgehen sollte.

 

Insgesamt war die Führung von 1,5h trotzallem zu kurz, wahrscheinlich da unsere Wahrnehmung vorallem "über Leute aufregen" und "auf Foto warten" war.

Den Rest des Tages verbrachten wir zuerst in dem War Memorial Museum. Das ist tatsächlich eine Chronik aller Kriege bis heute. Allerdings liegt der Hauptaugenmerk auf dem Korea-Krieg. Was sehr interressant war, war dass das Museum es geschafft hat, vorallem den Aspekt der Schrecken des Krieges, sprich des Verlustes, der Zerstörung und der heldenhaften Aufopferung der Soldaten zu werfen, und nicht (wie es mir zumindest vorkommt) wie bei uns auf den Sieg (das klingt jetzt härter als gedacht, aber die Atmossphäre war auf jeden Fall anders und in meinen Augen deutlich besser). Die 4D Kinos die das ganze fühlbar machen sollten, waren dafür echt mau und eher unnötig.

Ich finde das Museum sollte man selbst gesehen haben, da müsst ihr schon alle herkommen :P

Am Ende des Tages waren wir in Gangnam, einem der gehoberen Viertel Seouls. Wenn man aus der U-Bahn rauskommt ist es auch erstmal unglaublich eindrucksvoll. Hochhäuser (auch sehr interessant gebaute) überall um einen herum. Die Straße zwischen den Hochhäusern ist auch entsprechend groß. Im Endeffekt war es dort so, wie wir uns Seoul als riesige Metropole vorgestellt hatten - bis wir dann einfach mal eine nebenstraße entlang sind. Dabei fällt folgendes auf: sobald man von der großen Strae weg ist, wird man durch eine Art Wurmloch ins 19. Jahrhundert katapultiert - 19. Jahrhundert mit Strom und Autos. Es war Wahsinn, denn es war plötzlich alles klein, eng und so wie man sich Entwicklungsländer vorstellt, mit lustigen Läden (einer hatte einfach mal einen Schweinekopf draußen liegen)und lustigen Waren (koreanische Spezialitäten wahrscheinlich). Hier herrscht dann auch wieder das altbekannte (und in jeder nicht gerade riesigen Straße geltende) "je dreister desto Vorfahrt". Wenn man geht halten alle, wenn nicht halt nicht. Sehr witzig, wenn man mal drüber nachdenkt und einfach drauflosrennt (bitte nicht nachmachen!). Allerdings gab es dann auch wieder ein Wurmloch zurück (nennt sich auch "Querstraße" und man befand sich wieder im 21. Jahrhundert und wir konnten mit der U-Bahn zurück fahren.


Noch kurz zu den U-Bahnen: Generell  fährt man in Korea mit T-Money-Cards, einer Karte die man in allen 24h-Läden aufladen kann und die man einfach schnell an einen Scanner hält. Das beschleunigt Einsteigen ungemein. Bestes Beispiel: wir. Bzw die Leute, die keine dabei hatten (obwohl JEDER Kaist-Student eine kostenlose bekommen hatte) und deswegen bar ein Ticket im Bus kaufen mussten. Der Bus stand etwa 5-10 min da und wurde fröhlich von anderen wartenden Bussen angehubt ...

Die U-Bahnen sind eigentlich sehr gut sortiert in Seoul. Jede Haltestelle wird von der entsprechenden Linie nummeriert, und man föhrt entsprechend auf- oder absteigend. Das hilft sehr wenn man sich nicht auskennt und noch herausfinden muss welche der U-Bahnen man nimmt. Außerdem steht auf Fahrplänenen nur das Intervall, also gibt es so etwas wie Verspätung eigentlich nicht (es gibt Toleranz!). In den U-Bahnen gibt es dann extra Plätze für Ältere, Invalide oder Schwangere, die normalerweise von niemand Anderem besetzt werden (nicht verboten aber man macht es aus Höflichkeit nicht). Eine sehr lustige Eigenheit der Kroeaner ist, dass sie sich sofort wegsetzen wenn jemand etwas riecht - was wir leider nach einem Tag lang in der heißen Sonne rumlaufen nicht vermeiden konnten und was uns entsprechend peinlich war (das Gute, es sind nicht alle Koreaner sofort weggerannt, sprich es war wohl noch erträglich).

8.9.14 17:35
 
Letzte Einträge: Der Berg, Nom Nom Nom, Das Ostmeer, japanische Meer oder auch Meer von Korea, Tradition, Bunt, bunt, bunt sind alle meine Wälder.


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